Der Sommer ist ein mieser Verräter…

…der sich bereits jetzt schon als Herbst tarnt!

Zunächst einmal, sei angemerkt:

ich wollte nie Diskussionen über das Wetter führen, weil das ja wohl oder übel der untrügliche Startschuss dafür ist, sich schon mal nach einem Altersheimzweitwohnsitz umzusehen.

Aber das geschrieben Wort schreit zum Glück nicht so verräterisch nach Alzheimer.

Also werde ich jetzt erstmal metaphorisch in mein Tagebuch kotzen, dass ich den Sommer bereits im August vermisse, wenn mein Adlerauge (na gut bei 2 Dioptrien eher Hühnerauge) den ersten Lebkuchen im Supermarkt verächtlich erspäht.

Denn erst wenn man mit dem heißen Sommer abgeschlossen hat, kann man die milde Güte des Herbstes genießen….ich muss anscheinend  akzeptieren, dass die geile Hitze vorbei ist um nach einer kurzen nostalgischen Verarbeitungszeit die kühle Melancholie des Herbstes schätzen zu können.

Diesem ermüdenden Teufelskreis der wechselnden Jahreszeiten kann ich nur Gutes abgewinnen, wenn ich mich an seinen Launen erfreue und dankbar als unterhaltsame Abwechslung betrachte. Trotz seiner Vorhersehbarkeit überrascht mich das Ende des Sommers nämlich immer wieder aufs Neue. Die Hoffnung stirbt zuletzt…aber sie stirbt. So. Jetzt bin ich bereit für die wunderschöne Herbststimmung, wenn die Blätter ihre Farbe ändern und zu dürrem Laub mutieren und alles so schön stirbt. Herrlich.

luftliebe

 

Herbst
Herbststimmung
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I LOVE PROKRASTINATION

So sehr ich mir mein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom auch lobe „Oh was glänzt denn da?“ – ich muss gestehen ich habe mich verliebt – in die Prokrastination.

Wir kennen uns schon ewig, ich wusste nur ihren Namen nicht und sie ist mir nie so aufgefallen, also habe ich mich wohl wieder in sie verliebt, in ihre neue Erscheinung sozusagen.

Ich werde mir auch extra ein T-Shirt mit „I LOVE PROKRASTINATION“ bedrucken lassen, um meine neue alte Leidenschaft vor den öffentlichen, missbilligenden Blicken ungeschützt zu zelebrieren…das zwanghafte Aufschieben eigentlicher nötiger und/oder dringender und/oder sogar gern-tu-ender, sinnvoller Tätigkeiten um deren Ergebnis zu vermeiden(!), dass man ja eigentlich ersehnt, aber sich zu sehr fürchtet(!), dass es nicht so perfekt sein könnte, wie erwartet und erhofft(!)  oder schlimmer noch, so perfekt wie gefürchtet(!)…

Hey, die haben mir eine meiner Persönlichkeitsstörungen geklaut und sogar benannt(!) Und dann ausgerechnet auch noch die Persönlichkeitsstörung, mit der ich am liebsten kokettiere!

Neben meinem Peter-Pan-Syndrom und Dorian- Gray-Komplex, war mir meine Prokrastination am nächsten.

Ich habe sie nur weniger hochtrabend benannt (aber nicht minder geschätzt), eher so salopp „Zeit-verscheiß-Zwang“ oder „pathologischer-Owezahrer-Tick“…aber geliebt habe ich sie immer.

Blablabla.

Ich hör jetzt mal besser an der Stelle auf, bevor ich noch einen würdigen Abschluss meiner angefangenen Stammelei oder noch schlimmer ein sinnvolles Resultat kreiere und widme mich lieber hingebungsvoll meiner neu gewonnenen alten Liebe.

luftliebe

4 words made my day

Ein gewisser Arbeitsrhythmus erleichtert wohl einen gut strukturierten Arbeitstag. Nun, bei mir ist alles Chaos und Improvisation. Die Erlösung bekomme ich jeden Abend wenn ich meinen PC in den wohlverdienten Komazustand runterfahre, in dem ich mich bereits tagsüber befunden habe.

Die Zusammenfassung meines Arbeitstages: Jetzt darfst auch du endlich schlafen mein geliebter Computer, nachdem dein Wachzustand das Alibi für meinen Schlaf war. Büroschlaf ist der Gesündeste, sagt man.

Wobei ich das bezweifle. Ich pendle nämlich zwischen folgenden REM-Phasen: zwischen Burn Out und Bore Out… und beides ist auf seine Weise schwierig zu kompensieren.

Entweder ist die Hölle los und ich komme kaum dazu mein durch diesen Stress bedingtes Herzrasen auch noch durch übermäßigen Koffeinkonsum zu unterstützen oder es ist so fad, dass ich aufpassen muss, dass ich nicht versehentlich eindöse und mein Kopf auf die Tastatur kracht…das gibt ein unschönes Muster auf der Stirn:

ERTZUI

SDFGHJ

XCVBN

Wie Bleigießen, man weiß was rauskommt, nur die Form ist jedes Mal irgendwie anders…

 

Im Zustand dieser ergebnislosen, geistigen Öde reißt mich zudem häufig ein plötzlich heftig einsetzendes Klingeln des Telefons aus meiner Trance oder schlimmer noch…ich ruhe ja in einem Deprivationsraum, das heißt schalldichte Wände und absolute Stille…ich glaube da kann man einen spontanen Herzinfarkt kaum vermeiden, wenn willkürlich irgendwelche hektischen Paragrafenwichser die Tür aufreißen, durch die ungesicherte Pforte in meine Ruhe-Dimension eindringen und mich so dermaßen unsanft aus meiner Matrix reißen, dass ich das Gefühl habe, meinen Avatar zerreißt es. Wie im Film Surrogates glaube ich dabei jedes Mal mein Energiestecker wird gezogen und ich bekomme das Gefühl sterben zu müssen. Ist bestimmt auch für den Störenfried ein befremdlicher Anblick meinen zusammengesackten, leblosen Körper zu beobachten, der aus der Schockstarre zuckend erwacht und in einer Art panischem Reflex die Hand auf der Maus zu zucken und klicken beginnt und irgendwelche Excel Files und Word Dokumente sich öffnen…wenigstens dieser Automatismus funktioniert wie im Schlaf…Pseudo-Arbeits-Modus on! Muss doch für ihn auch peinlich sein zu sehen, dass wir anscheinend beide nichts zu tun haben und trotzdem voreinander so tun, als ob wir fürs Arbeiten bezahlt werden…ich werde für meine Lebenszeit, die ich hier vergeuden muss einfach minimal entschädigt…solange die also so tun, als ob sie mich bezahlen, tue ich so, als würde ich arbeiten.

Ärgerlich wenn man darüber nachdenkt wie man seine Zeit umbringt, die man die ganze Zeit zu sparen versucht. Aber das tue ich nicht, stattdessen murmle ich schlaftrunken:

„Was kann ich dir antun…äh Gutes tun?“

Oft kommt dann irgendeine triviale Frage, die meist schon beleidigend banal ist und erkennen lässt, dass auch der Absender einfach nur Zeugen sucht, die bestätigen sollen wie beschäftigt er zu wirken versucht…diese Bluffer!

„Cui Bono?!“

murmle ich und versinke wieder in meine Tagtraumhaltung mit offenen Augen auf den flimmernden Monitor zu starren, bis dieser mich um 18:00 erlöst, indem er sich schwarz färbend mit folgenden Worten verabschiedet:

„Monitor going to sleep“

Wenigstens einer traut es sich auszusprechen…und dann wundern wir uns wenn wir bald keine Arbeitsplätze für Menschen mehr haben werden, weil uns die künstliche Intelligenz die Arbeitsplätze wegnehmen wird *sarkasm off* Guten Abend.

luftliebe

An Feiertagen bin ich prinzipiell multi religiös

Am Karfreitag bin ich auch dieses Jahr wieder in guter, alter Tradition besinnlich äh besinnungslos religiös oder wie das heißt, und das unabhängig vom konsumierten Messwein, den sie in den Kirchen den Bedürftigen einflößen.

Servieren sie dazu eigentlich noch diese Oblaten Häppchen?

Ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal solch eine geweihte Stätte betreten habe und wenn dann auch nur wegen der beeindruckenden Architektur. Diese mit Wasser gefüllten Vogelplanschbecken, in denen die Leute ihre Fingerspitzen baden und sich mit dem kühlen Nass die Schläfen beträufeln find ich ja komfortabel.

Wenn ich mal heiraten sollte, müssen sie unbedingt auf dieser Orgel “White Wedding” von Billy Idol neu intonieren, das hallt bestimmt mächtig sakral.

Und diese mittelalterlichen Holzbänke zum Hinknien erinnern mich an moderne Requisiten aus pseudo SM-Romanen und das ist wohl kaum MEINER schmutzigen Fantasie geschuldet…der Architekt wird sich dabei schon was gedacht haben…überhaupt…

we are living in a society, who is chronically oversexed and underfucked…nur so am Rande…
Naja, im Namen der Religion ist wohl alles erlaubt.
Dann werd ich gleich mal ein größeres Büro beantragen, in dem ich meinen Gebetsteppich auch gemütlich ausrollen kann. Aber erst nach den kirchlichen Feiertagen…
LuftLiebe

Es gibt verschiedene Varianten von mir…und alle davon sind wahr!

Da ich von Natur aus instabil bin (ja die Natur scherzt reichlich mit mir), neige ich zu phasenweisem Ausleben meiner Launen und habe ein ganz reiches Verhaltensrepertoire, dass jede multiple Persönlichkeit erblassen lässt.
Manchmal habe ich den Leuten, die mich nicht gut kannten, gelegentlich eine imaginäre Zwillingsschwester präsentiert, um ihnen mein widersprüchliches Auftreten plausibel zu erklären…das waren meistens diejenigen Erdenbewohner mit dem weniger dehnbaren Horizont, bei denen ich annahm, eine kleine Notlüge würde ihnen besser gefallen als die Wahrheit…
Menschen, die mich gut kennen, dich mich meistens sogar besser kennen als ich mich selbst kenne, interessieren sich für meine Kreativität und meinen ungemein hohen Spaßfaktor…das geben sie natürlich nicht neidlos zu, doch manchmal rutscht ihnen versehentlich ein Kompliment raus, dass sie noch nie so unterhalten worden seien, und bereuen diese Offenheit sofort, da sie denken mir fiele alles leicht. Sie wissen nicht, dass Spaß und Freude harte Arbeit sind und dass ich nach diesen anstrengenden, aufregenden und grandiosen Erlebnissen zuweilen in eine destruktive Phase aus Selbstzweifeln, künstlicher Langeweile und Existenzangst abdrifte.
Auch diese unschöne Zeit versuche ich so gut wie möglich umzubringen. Am liebsten in der Gesellschaft anderer notorisch unglücklicher Menschen, die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit totzuschlagen, die sie ständig zu sparen versuchen.
LuftLiebe

Schwarz ist die Wahrheit

Ich trage aus Prinzip Schwarz.

Schwarz passt immer zu meiner Stimmung.

Schwarz ist Business.

Schwarz ist elegant.

Schwarz kaschiert und macht einen schlanken Fuß.
Schwarz passt mir einfach und ich kann es auch gut zu meinen Komplexen kombinieren.
Wenn ich mich besonders gut oder besonders mies fühle, trage ich auch gern pinken Nagellack, schminke meine Augen und streue viel Glitter in mein Gesicht. Ein Freund meinte einst lakonisch, ich hätte wohl Tinkerbell aus der Luft geschnappt und kräftig über meinem Gesicht ausgeschüttelt, sodass ihr Feenstaub und alle unerfüllten Wünsche auf mir landen.

Natürlich war seine Beobachtungsgabe und Ausdrucksweise der Tatsache geschuldet, dass er dezent schwul war. Oder wie er sich zu deklarieren pflegte, „bi“ war, um sich von den anderen neidischen Tunten abzuheben.
Aber ich schweife ab…was ich eigentlich sagen wollte… „Oh was glänzt denn da?“…habe ich erwähnt, dass ich ein Aufmerksamkeitsdefizitproblem habe 😉
Heute im Büro trage ich mal wieder schwarz: ein Kleid mit Spitzenärmeln und einem Hauch von spanischem Flamenco. Ich bin außerdem heute extra früher aufgestanden, um mich zu schminken und meinen kaum benutzten Dior Mascara aufzutragen, um mich wertvoller zu fühlen. Oder war das die Werbung von L´Oreal, die mir sagt, dass ich es mir wert bin.
Tja ich bin halt auch nur ein gefundenes Fressen für die Werbetexter – ein richtiges Marketingopfer, aber ein besonders wertvolles natürlich 🙂
Beim morgendlichen, gemein einsamen äh gemeinsamen Kaffee trinken ist mir gleich aufgefallen, dass mich der kleine Jurist, der handzahme Handlanger meines Chefs, so irritiert angesehen hat. Als ich seinem durchdringenden, ungläubigen Blick ausgewichen bin, hat er ebenfalls kurz weggesehen, um mich in einem, wie er dachte, unbeobachteten Moment nur noch intensiver zu mustern.
Mit dem Charme eines Vorzugsschülers, der sich fingerschnipsend zur Stundenwiederholung meldet, kann er sich dann seine Frage, die er mit seiner speziell ausgeklügelten Verhörtechnik formuliert, nicht verkneifen: „Was hast DU denn heute noch vor?“
Ich wäge schnell alle möglichen Interpretationen seiner Formulierung, die mehr als eine subtile Anspielung beinhaltet, auf alles, was sich mein komplexgeladenes Gehirn gerade zusammenreimt ab und entscheide mich spontan für diese Antwort:
„Ich treffe mich heute mit meiner Mutter!“ Wobei ich das „Muuutteeeer“ wie in dem Hitchcock Thriller „Psycho“ langgezogen betone und mich um eine möglichst ehrfürchtige Aussprache bemühe: „Sie soll denken, dass es mir gut geht!“
Er schnappt nach Luft und starrt mich für einige Sekunden ungläubig taxierend an, bevor ein Zucken um seine Mundwinkel spielt und er laut zu lachen beginnt.
Ich lache aus Höflichkeit mit und er fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt, dass ich wohl einen besonders raffinierten Scherz gemacht haben muss.
Weil kein Mensch so erbärmlich sein kann, seiner Familie suggerieren zu müssen, das glückliche Leben zu führen, dass sie sich immer für einen gewünscht haben und dabei die drohende Vorahnung hatten, man würde es ja doch nie schaffen.
Nun ja, es war die Wahrheit…
LuftLiebe

Der erste Satz muss EXTRA-ORDINARY sein…“Bullshit!“ (oder war´s ordinär?)

Ich habe einmal gelesen, dass der allererste Satz entscheidend sei, um einen Artikel zu lesen oder nicht zu lesen oder um sich in einen Menschen zu verlieben.

Brutal banal wenn man bedenkt, dass der schönste erste Satz der deutschsprachigen Literatur von Günter Grass lautet: „ILSEBILL SALZTE NACH.“

Da finde ich Ildikó von Kürthys Anfang schon bedeutend tiefsinniger, weil es auch auf mich zutrifft: „ENTWEDER MACHTE ICH MIR SORGEN ODER WAS ZU ESSEN.“

Wo wir auch schon bei meinem Lieblingsthema wären: Ich fürchte nur, es ist nicht die Literatur, sondern meine unendliche Liebe gilt dem Trivialsten aller Dinge: dem ESSEN.

In meinem gesamten Leben habe ich bestimmt schon 1000 Kilo zugenommen und wieder abgenommen, nur um kurz darauf wieder zuzunehmen um wieder abzunehmen und so fort…ihr kriegt die Idee 😉

Ich bin ein Fass ohne Boden und ich fühle mich nur wohl in Extremen: entweder luftig leicht oder vollkommen ausgefüllt (das gilt auch in der Liebe, denn ich kann tief lieben). Ein Mittelmaß macht mich nervös, weil ich mich langweile.

Obwohl ich konstante Menschen sehr bewundere, ist mir selbst diese Eigenschaft nicht vertraut. Meine einzige Konstante besteht aus einer gewissen ausbalancierten Reihenfolge, dass auf eine Orgie eine asketische Phase fällt…

Ich bin nun mal ein lasterhafter Mensch mit hoher (Doppel)Moral 😉

Und gegen die unbändige Wut, die manchmal von mir Besitz ergreift, habe ich einen sehr buddhistischen „Trick“:

Ich pflüge einfach wie irre durch meinen (imaginären) Zen-Garten 😉

LuftLiebe