Schwarz ist die Wahrheit

Ich trage aus Prinzip Schwarz.

Schwarz passt immer zu meiner Stimmung.

Schwarz ist Business.

Schwarz ist elegant.

Schwarz kaschiert und macht einen schlanken Fuß.
Schwarz passt mir einfach und ich kann es auch gut zu meinen Komplexen kombinieren.
Wenn ich mich besonders gut oder besonders mies fühle, trage ich auch gern pinken Nagellack, schminke meine Augen und streue viel Glitter in mein Gesicht. Ein Freund meinte einst lakonisch, ich hätte wohl Tinkerbell aus der Luft geschnappt und kräftig über meinem Gesicht ausgeschüttelt, sodass ihr Feenstaub und alle unerfüllten Wünsche auf mir landen.

Natürlich war seine Beobachtungsgabe und Ausdrucksweise der Tatsache geschuldet, dass er dezent schwul war. Oder wie er sich zu deklarieren pflegte, „bi“ war, um sich von den anderen neidischen Tunten abzuheben.
Aber ich schweife ab…was ich eigentlich sagen wollte… „Oh was glänzt denn da?“…habe ich erwähnt, dass ich ein Aufmerksamkeitsdefizitproblem habe 😉
Heute im Büro trage ich mal wieder schwarz: ein Kleid mit Spitzenärmeln und einem Hauch von spanischem Flamenco. Ich bin außerdem heute extra früher aufgestanden, um mich zu schminken und meinen kaum benutzten Dior Mascara aufzutragen, um mich wertvoller zu fühlen. Oder war das die Werbung von L´Oreal, die mir sagt, dass ich es mir wert bin.
Tja ich bin halt auch nur ein gefundenes Fressen für die Werbetexter – ein richtiges Marketingopfer, aber ein besonders wertvolles natürlich 🙂
Beim morgendlichen, gemein einsamen äh gemeinsamen Kaffee trinken ist mir gleich aufgefallen, dass mich der kleine Jurist, der handzahme Handlanger meines Chefs, so irritiert angesehen hat. Als ich seinem durchdringenden, ungläubigen Blick ausgewichen bin, hat er ebenfalls kurz weggesehen, um mich in einem, wie er dachte, unbeobachteten Moment nur noch intensiver zu mustern.
Mit dem Charme eines Vorzugsschülers, der sich fingerschnipsend zur Stundenwiederholung meldet, kann er sich dann seine Frage, die er mit seiner speziell ausgeklügelten Verhörtechnik formuliert, nicht verkneifen: „Was hast DU denn heute noch vor?“
Ich wäge schnell alle möglichen Interpretationen seiner Formulierung, die mehr als eine subtile Anspielung beinhaltet, auf alles, was sich mein komplexgeladenes Gehirn gerade zusammenreimt ab und entscheide mich spontan für diese Antwort:
„Ich treffe mich heute mit meiner Mutter!“ Wobei ich das „Muuutteeeer“ wie in dem Hitchcock Thriller „Psycho“ langgezogen betone und mich um eine möglichst ehrfürchtige Aussprache bemühe: „Sie soll denken, dass es mir gut geht!“
Er schnappt nach Luft und starrt mich für einige Sekunden ungläubig taxierend an, bevor ein Zucken um seine Mundwinkel spielt und er laut zu lachen beginnt.
Ich lache aus Höflichkeit mit und er fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt, dass ich wohl einen besonders raffinierten Scherz gemacht haben muss.
Weil kein Mensch so erbärmlich sein kann, seiner Familie suggerieren zu müssen, das glückliche Leben zu führen, dass sie sich immer für einen gewünscht haben und dabei die drohende Vorahnung hatten, man würde es ja doch nie schaffen.
Nun ja, es war die Wahrheit…
LuftLiebe

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